Lausse the Cat: Wer ist der Rapper mit der Büsimaske?

Masken in der Musikwelt zum Schutz der eigenen Identität sind nichts Neues. Ich wette, du hast nach einigen Sekunden schon zig Beispiele im Kopf: Sido, Cro, Lordi, Marshmello, Daft Punk, Sia, Leikeli47, Slipknot, und und und… Vor kurzem bin ich auf einen weiteren Künstler gestossen, der bewusst darau verzichtet, sein Gesicht zu zeigen: Lausse the Cat. Auf der Bühne steht der Engländer nur mit Büsimaske, abseits davon versteckt er sich hinter einer Katzen-Comicfigur. Soweit nichts Weltbewegendes. Was aber spannend ist: Nicht nur das Gesicht des Newcomers ist unbekannt, auch von persönlichen Informationen fehlt jede Spur. Sein Sound trägt trotz dieser Anonymität eine unverkennbare Handschrift und hat mich neugierig gemacht. So neugierig, dass ich mehr wissen und dir den Musiker unbedingt näherbringen möchte.

Ich weiss, dass ich nicht viel weiss…

«As dog’s howl in darkness a sound not so sweet,
A meow can be heard from the dimly lit street
Where fables are told to the people who seek
To hear tales of lust, booze and feuds in white sheets
Some sweet mellow tunes of Jazz, Blues and peng beats
Where soft spoken poems are posed lightly beneath
To make the crowd dance in the moonlight that leakes
Come see Lausse the Cat and his menagerie.»

Nach einer ausgiebigen Internet-Recherche bin ich nicht viel schlauer als am Anfang. Diese dichterische Beschreibung seiner Musik ist das Einzige, was Lausse the Cat selber im Netz (auf seiner Spotify-Seite) veröffentlicht hat. Ansonsten ist lediglich bekannt, dass der Rapper in London geboren wurde, momentan in Leeds wohnt und fliessend Englisch und Französisch spricht. Am Anfang hat mich diese Knappheit an Informationen echt frustriert, doch mit der Zeit auch immer mehr fasziniert. Denn wie kriegt er es hin, dass man in Zeiten von stetiger Erreichbarkeit und Smartphone-Omnipräsenz nicht einmal seinen Namen kennt? Klar ist er momentan noch ein absoluter Geheimtipp und hat ein überschaubares Social Media-Following (1081 Follower auf Instagram, 890 Likes auf Facebook), aber trotzdem bin ich verwundert, dass weder Interviews, noch Portraits oder Fotos ohne Maske vom Katzen-Rapper existieren.

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Musik aus einem Märchenbuch

Ähnlich wie bei seinen Katzenzeichnungen, könnten auch die Songs von Lausse the Cat direkt aus einem Märchenbuch stammen. Er ist ein urbaner Geschichtenerzähler, hat ein Händchen für smoothe Tunes und schreckt nicht davon zurück, persönliche Gedanken und Ängste zu teilen. Seine Texte sind wunderschön geschrieben und fast schon poetisch, vom Inhalt her aber trotzdem sehr zeitnah. Bestes Beispiel dafür ist sein Track «Redstripe Rhapsody»: In den acht Minuten nimmt dich Lausse the cat mit durch eine wilde Partynacht in seiner Heimatstadt London, vom Einbruch der Dämmerung bis hin zum nächsten Morgen. Er beschreibt das Vorglühen im Hyde Park, die feuchtfröhliche Atmosphäre beim Feiern und das leicht beduselte Aufwachen am nächsten Morgen.

«And as the moon fades away, the sun rises bringing with its comeuppance flourishing romances of vigour and lust. We witness amongst this folly of madness new star-crossed lovers locked in arms waltzing home in the morning dew.»

Besonders angetan bin ich dabei vom Aufbau des Songs und der verspielten Machart: Wenn sich die Stimmung im Text ändert (zum Beispiel beim Start der Party), wechselt auch der Beat. Wie auch in anderen Songs meldet sich immer wieder ein Erzähler zu Wort und beschreibt die altbekannten Grossstadt-Situationen in philosophischer Art und Weise. Dadurch verleiht Lausse the Cat alltäglichen Erlebnissen wie dieser Partynacht einen speziellen Glanz und zeigt alles aus einer ganz persönlichen Perspektive. Ein weiteres Merkmal ist es, dass er zwischen den einzelnen Themen in seinen Songs genauso schnell hin und her springt wie zwischen seinen beiden Muttersprachen Französisch und Englisch. Durch diese verschiedenen Stilmittel erhält die Musik des Newcomers einen ganz eigenen Charakter und wird auch beim zwangigsten Mal nicht langweilig. Ich vergleiche es gerne mit einem Film, der dir richtig gut gefällt: Mit der Zeit kennst du zwar die Geschichte, entdeckst aber immer wieder neue Aspekte, die dich begeistern.

Lass die Katze aus dem Sack

Lausse the Cat gehört für mich zu einen der spannendsten Acts, die ich in den letzten Jahren entdeckt habe. Vom mysteriösen Auftreten über das musikalische Talent bis hin zur einzigartigen Songstruktur passt für mich alles. Aus diesem Grund hoffe ich, dass der englische Newcomer mehr von sich preisgeben wird und neben seinem Debütalbum «The Girl, the Cat and the Tree» bald neues Material veröffentlicht.  Wenn dann auch noch der Live-Auftritt stimmt und der Katzenrapper häufiger auf den Bühnen der Welt anzutreffen ist, steht ihm nichts mehr im Weg. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der talentierte Kater zu den Alphatieren im Hip Hop-Zoo gehört.

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