Poppy: Die verstörende Blondine aus dem Interweb

Vielleicht magst du dich daran erinnern, als vor rund vier Jahren ein verwirrendes 10-minütiges Video die Runde machte: Ein weisser Raum ohne Möbel, darin ein puppenhaftes Mädchen mit blonden Haaren, das die ganze Zeit nur einen Satz von sich gibt: «I’M POPPY». Was bei den meisten für Kopfschütteln sorgte, war gleichzeitig ein Meilenstein des digitalen Zeitalters – denn es war die Geburtsstunde des Internet-Charakters Poppy.

Bis heute weiss niemand genau, was es mit dem Clip auf sich hat, aber vieles hat sich geändert: Poppy (die gebürtig Moriah Rose Pereira heisst) dreht für ihren YouTube-Kanal zwar immer noch kuriose Videos, in denen sie mit Flüsterstimme zu Pflanzen spricht oder über das Leben philosophiert, aber hat sich auch der Musik gewidmet. Und wie: In drei Jahren hat die gebürtige Amerikanerin bereits zwei Alben («Poppy.Computer» und «Am I A Girl?») und eine EP («Bubblebath») veröffentlicht. Was darauf zu hören ist, ist schwer in Worte zu fassen, denn der Sound der zierlichen Blondine tönt jedes Mal komplett anders. Was mit eingängigem Girly-Pop («Lowlife») begonnen hat, ist immer elektronischer und synthielastiger («Beach Blonde Babe») geworden, bevor es überraschend düster und rockig («Play Destroy») endete. «Erwarte das Unerwartete» könnte bei Poppy also Lebensmotto und Geheimrezept zugleich sein. Obwohl die 24-Jährige bereits ein breites Spektrum an Stilrichtungen ausprobiert hat, ist es ihr gelungen, sich auf ihrer neusten Single wieder neu zu erfinden. Was dich dieses Mal erwartet? Am besten überzeugst du dich gleich selbst… Aber sei gewarnt: Es wird creepy!

«There’s blood on my necklace»

Meiner Meinung nach zeigt sich Poppy auf «Voice Mail» dabei von ihrer spannendsten Seite, denn so düster und extrem war es noch nie. Mit schmetternden Beats und heftigen Lyrics wie «there’s blood on my necklace, blood on my clothes» sorgt die Blondine für Aufsehen. Völlig logisch, dass das für viel Gesprächsstoff im Netz sorgt: Während gewisse Fans meiner Meinung sind und die krasse Verwandlung ihres Idols feiern, sind andere überfordert damit und vergleichen das Auftreten mit Satanismus und Dämonen. Und was sagt Poppy zur ganzen Diskussion? Nichts. Sie sitzt im stillen Kämmerchen und klatscht in die Hände. Denn wieder hat sie es geschafft: Mithilfe von grusligen Gothic-Looks und hämmerden Elektro-Beats hat sie die Blicke einmal mehr auf sich gezogen und der Welt gezeigt, dass man ihre Kunst einfach nicht in Worte fassen kann – und das ist auch gut so! Denn in einer Zeit, in der gerade im Popbereich alles immer mehr zu einem radiotauglichen Einheitsbrei verschmilzt, ist es schön zu sehen, dass es eben auch Künstlerinnen und Künstler wie Poppy gibt. Künstlerinnen und Künstler, die sich ihren Erfolg ohne grosse Unterstützung des Mainstreams aufbauen, die sich keinen Zentimeter verbiegen lassen und bei denen man nie genau weiss, was als nächstes kommt. Poppy, ich bin gespannt wie ein Pfeilbogen!

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