Moby: Die Biografie, die mein Leben verändert hat

Mit dem Herbstbeginn kommt nicht nur die Zeit, in der gemütliche TV-Abende oder wohlig warmer Kakao grosse Beliebtheit geniessen, sondern auch wieder zum einen oder anderen Buch gegriffen wird. Wer dabei Lust auf etwas ganz Besonderes hat, sollte sich die Autobiografie «Porcelain» von US-Musiker Moby nicht entgehen lassen.

Sex, Drugs & Veganismus

All jene, die nun eine klassische Story im Stil von «vom Tellerwäscher zum Millionär» erwarten, werden bitter enttäuscht. Die Lebengeschichte von Moby ist vielmehr das Aufeinandertreffen von zwei komplett verschiedenen Welten und stellt sich die Frage nach dem eigenen Platz im unendlich weiten Kosmos. Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was mache ich hier eigentlich?

Geboren im kriminellen Viertel Harlem von New York, wächst Richard Melville Hall – so Moby gebürtig – als streng katholischer und abstinent erzogener Veganer auf. Die Musikindustrie kennt er nur durch die wöchentliche Hitparade im Radio, in seiner winzigen und schäbigen Wohnung steht ein Low Budget-Studio. Doch dann hört er «Love Hangover» von Disco-Ikone Diana Ross und beschliesst, eines Tages selber auf einer grossen Bühne stehen zu wollen, um das Publikum mit seiner Musik zu verzaubern. Eine wilde Odyssee durch das schamlose und drogenüberflutete Nachtleben von New York beginnt und Moby muss sich in einer komplett neuartigen Umgebung zurecht finden.

Anekdoten aus dem Leben eines Pioniers

Was mich bei «Porcelain» dabei am meisten überrascht hat ist, dass gar nicht die komplette Reise vom jugendlichen Musiker zum weltbekannten Superstar erzählt wird. Moby beschreibt seine Geschichte nur mithilfe von einzelnen Erinnerungsschnipseln, weshalb er sein Werk auch als Memoir und nicht als Biografie bezeichnet. So hüpfen wir zwischen zwei Kapiteln manchmal ganze Monate nach vorne, erinnern uns mitten im Buch wieder zurück an seine Kindheit und beenden die Reise kurz vor der Jahrtausendwende – also gleich vor Moby’s weltweitem Durchbruch. Die rund 400 Seiten lesen sich dabei wie ein extrem persönliches Tagebuch, da der Musiker sämtliche Texte selber verfasst hat und sehr ehrlich ist: Unverblümt erzählt er von der New Yorker Clubszene in den 90ern, schildert seinen ersten Alkoholexzess oder beschreibt den Verlust seines besten Freundes durch einen brutalen Überfall.

Meiner Meinung nach ist «Porcelain» genau deshalb viel mehr als eine simple Biografie und ähnelt eher einem spektakulären Sammelsurium von kuriosen und beeindruckenden Momentaufnahmen. Momentaufnahmen aus dem Leben eines jungen Pioniers, der alles dafür gibt um in einer Welt zu landen, die nicht für ihn gedacht ist und an welcher er zeitweise zerbricht.

«Porcelain» ist eine berührende Coming Of Age-Story und hat mich von Anfang bis Schluss gepackt, weshalb ich auch nur zwei Tage dafür gebraucht habe. Kurz: Es ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher und die perfekte Story für alle Neugierigen – ganz egal ob musikbegeistert oder nicht!

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P.S. Für alle Lesefaulen gibt es «Porcelain» auch als Hörbuch (z.B. kostenlos bei Spotify).

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