Shygirl: Alles andere als das schüchterne Mädchen von nebenan

Sie schreibt ihre Songs hauptsächlich in der Londoner Metro, produziert ihre Videoclips mit dem Smartphone und liebt es, unterschätzt zu werden – und das passiert ziemlich oft. Oder hättest du beim Künstlernamen Shygirl an eine selbstbewusste Powerfrau gedacht, die zu den gefeiertsten Acts der Londoner Clubszene gehört und elektronischen Sound produziert, der dich so richtig an die Wand klatscht?

«Kein Bock auf Small Talk»

Mein erster Kontakt mit der 25-jährigen Blane Muise aka Shygirl verlief dabei ähnlich: Völlig voreingenommen von ihrem harmlosen Alter Ego, rechnete ich mit sanftem Gitarrensound eines traurigen Mauerblümchens und fiel fast vom Stuhl, als die erste Bassline durch meinen Körper strömte. Darum machte es mich umso neugieriger, welche Story wohl hinter diesem Pseudonym stecken mag. Das Internet half mir dann auf die Sprünge: Muise erklärte in einem Interview, dass ihr Name Shygirl nichts mit Schüchternheit oder sozialer Isolation zu tun hat, sondern im Bezug auf ihr Zeitmanagement ausgesucht wurde. In ihren Augen ist Zeitverschwendung nämlich etwas vom Schlimmsten und darum geht sie Leuten aus dem Weg, die Small Talk betreiben möchten. Ihr Lebensmotto: Time is precious!

«Ich bin mein eigener Boss»

Doch im Leben der 25-Jährigen dreht sich nicht nur alles um Effizienz und Kreativität, sondern auch Verantwortung spielt eine grosse Rolle: Neben ihrer musikalische Arbeit gründete Shygirl ihr eigenes Label Nuxxe, um ihrer Musik eine Richtung zu geben und sich mit anderen Acts zu vereinen (z.B. Coucou Chloe oder Sega Bodega). Aber keine Angst, ganz so verkorkst und diplomatisch wie das nun klingt, ist sie nicht: Muise legt nach wie vor fürs Leben gern in den Clubs ihrer Heimatstadt London auf, sammelt seit ihrem zehnten Lebensjahr Edelsteine und interessiert sich wie viele Frauen für Mode.

shygirl

«Once you pop, you can’t stop»

Bisher mussten sich die Fans von Shygirl mit einzelnen Tracks zufrieden geben, doch seit Ende Mai ist nun ihre Debüt-EP «Cruel Practice» (VÖ: 25. Mai 2018) auf dem Markt. Darauf zeigt sich die Newcomerin gewohnt avant-gardistisch und serviert Beats, die das gesamte Spektrum von rätselhaftem Wirrwarr bis zu brutalem Horrorsound abdecken. Sie selber meint lächelnd dazu: „Hast du dich erst einmal in meinem Sound verfangen, wirst du so schnell nicht mehr davon loskommen!“

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich das definitiv bestätigen –  denn obwohl nach jedem Track eine kurze Verschnaufspause nötig ist, macht Shygirl süchtig und Lust auf mehr.

 

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